Montag, 7. Dezember 2009
Die Wiege der Demokratie...
Ich möchte heute einiges zu den aktuellen Unruhen in Athen schreiben. Auch um etwas Dampf abzulassen. Eigentlich habe ich jeden Montag meinen Sprachkurs in der Universität in Athen. Ich hatte zwar schon im Vorfeld gehört, dass einige der Gebäude von Autonomen besetzt seien, hab mich dann aber trotzdem auf den Weg gemacht (ich hatte ja nicht gegenteiliges von irgendwem gehört, dass der Kurs ausfallen würde). Als ich dann in Athen aus meiner Metro ausgestiegen bin, wurde mir schnell klar, dass ich wohl keinen Unterricht haben würde. Die Stimmung in der Stadt lässt sich schwierig in Worte fassen. Straßen abgesperrt, überall komplett ausgerüstete Polizisten, keine Busse…Und kein Bus bedeutet keine Möglichkeit zum Campus zu kommen. Also auch kein Unterricht. Die gesamte Uni ist heute geschlossen geblieben, wie meine Lehrerin mir anschließend per SMS mitteilte. Da ich mal wieder 2,5 Stunden gebraucht habe, um überhaupt so weit zu kommen (meine Metro in Piraeus funktioniert immer noch nicht wieder richtig…) wollte ich zumindest noch etwas Spazierengehen. Das Parlament habe ich schlauerweise gemieden, da ich nicht in die Nachmittagsdemonstration geraten wollte. Aber egal wo ich war, überall haben sich Polizisten darauf vorbereitet schnell eingreifen zu können. Die Straßen waren heute unglaublich vermüllt (was wohl vor allem an der streikenden Müllabfuhr liegt…), bis auf die illegalen Einwanderer die versucht haben ihre Habe auf der Straße zu verkaufen, war so gut wie niemand unterwegs, Ladenbesitzer standen besorgt vor ihren Geschäften. Alles wirkte wie die Ruhe vor dem Sturm. Allgemein ist die Stimmung der Stadt umgeschlagen. Die Leute in der Metro und in meinem Schienenersatzbus wirkten gestresster, keiner lächelte, die gefühlte Perspektivlosigkeit sprang einem förmlich ins Gesicht (dass Unzählige aus angst vor der Schweinegrippe mit Masken durch die Gegend laufen lässt das Bild nicht grade fröhlicher wirken…). Auch mich hat das heute ziemlich aufgewühlt. Ich bin nur ein Gast in diesem Land, ich weiß, dass auf mich immer Deutschland warten wird, dass ich wenn es hart auf hart kommt jederzeit zurück in mein Geburtsland kann. Ich muss keine Angst haben irgendwann auf der Straße Packungen mit Tempotaschentüchern verkaufen zu müssen. Mehr als sonst sind mir heute die bettelnden Menschen ans Herz gegangen (ich versuche immer diesen traurigen Aspekt des Lebens hier möglichst nicht an mich rankommen zu lassen.). Besonders ist mir heute das Bild einer jungen, weinenden Frau in kaputter Kleidung, die auf dem Boden sitzt und Menschen anfleht ihr Geld zu geben und die bewaffneten Polizisten Drumherum im Gedächtnis geblieben… Das Leben hier prägt einen und es prägt die Menschen die ihr Leben in dieser Stadt verbringen. Auch wenn ich so viele herzliche, freundliche und warme Menschen kennengelernt habe und jeden Tag aufs Neue kennenlerne, so ist die Ellbogenmentalität doch deutlich zu spüren. Doch wie soll man auch noch an andere denken, wenn man doch selbst kaum genug hat? Viele Demonstranten hier sind absolut friedlich. Unter diese friedlichen mischen sich dann die Extremen, und die Gewalt die sie anwenden ist wirklich beispiellos. Doch worum geht es eigentlich? Eigentlich geht es um alles. Die Schüler und Studenten gehen auf die Straße für ein Bildungssystem (ich sage an dieser Stelle mit Absicht nicht für ein besseres Bildungssystem, weil es einfach so beschissen aussieht, dass es den Namen Bildungssystem in meinen Augen gar nicht verdient), für die Hoffnung auf einen Arbeitsplatz, für die Hoffnung eine Lebensperspektive haben zu können (auch in Griechenland sind die Geburtenraten im Keller. Doch wie sollen junge Menschen auch noch Familiengründen wenn kaum einer, wenn er denn einen Job findet, mehr als den gesetzlichen Mindestlohn von 700 Euro verdient?) und aus Wut auf die Politiker ihres Landes (auch mit dem kürzlich vollzogenen Regierungswechsel ist noch keine Veränderung spürbar. Und Griechenland ist nicht umsonst das Land mit der meisten Korruption in Europa. Seit 20 Jahren wechseln sich zwei Familien mit der Regierungsmacht ab, es herrscht Vetternwirtschaft, ohne Geld und Vitamin B ist es kaum möglich aufzusteigen). Doch auch viele Ausländer gehen auf die Straße, ja sogar die illegalen Einwanderer fühlen sich hier perspektivlos! Auch wenn ich die Gewaltausbrüche nicht für gut heißen kann, so haben sie doch mehr als nur eine tiefe Wurzel. Und natürlich wird so eine Situation auch von Extremisten oder sonstigen „Mir-egal-was-es-geht-ich-hau-drauf-Idioten“ ausgenutzt. Besonders wütend machen mich die Linksextremisten die jetzt aus anderen Ländern der EU anreißen um auch noch mal draufzukloppen. Oder die Leute die sich mit überhaupt keiner politischen Richtung identifizieren und einfach nur mal so Randale machen wollen (dadurch entstehen immerhin Schäden in Millionenhöhe und Griechenland ist schon mehr als nur pleite…). Aber andersherum, wie können die Menschen hier sonst noch etwas bewegen? Meine Befürchtung ist, dass dies nicht der letzte Gewaltausbruch sein wird, sondern dass es in den nächsten Jahren noch richtig knallen wird….Ich verfolge seit gestern sowohl griechische, als auch deutsche Medien und habe eine unglaubliche Wut in meinem Bauch. Diese rührt daher, dass ich den Fehler gemacht habe mir einige der Leserkommentare durchzulesen. Ich habe erst überlegt selbst Kommentare zu verfassen, ich lasse es aber sein. Um meiner eigenen Nerven willen…
Nur noch einige Worte zum Schluss: Die Lebenssituation, das Bildungssystem, etc. lässt sich keineswegs mit Deutschland vergleichen. So kann ich weder Kommentare wie „so sollten die es in Deutschland auch machen“, noch „solche Extremisten müssen die volle härte des Gesetzes zu spüren bekommen“ gelten lassen. Nein, in Deutschland sollen die es garantiert nicht so machen und Deutschland hat noch lange, wirklich noch lange nicht den Grund dazu! Ich kann das deutsche Gemecker nicht mehr hören….Natürlich läuft bei uns nicht alles glatt, ich als Studentin weiß selbst nur zu gut, dass sich auch in unserem Bildungssystem etwas ändern muss. Aber meine Güte, schaut doch mal über den eigenen Tellerrand und seit froh dass ihr überhaupt so eine Leben in Deutschland führen könnt! Und zu „solche Extremisten sollen die volle härte des Gesetzes spüren“ muss ich wohl nichts mehr sagen, solche Leuten aber nun wirklich nichts über die Lage in Griechenland verstanden.

So, das musste an dieser Stelle einfach einmal raus und ich freue mich über Kommentare eurerseits…

Γεια σας,,
eure Linda

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 2. Dezember 2009
Linda im Wunderland
So, da bin ich endlich mal wieder. Noch immer in dem Kaninchenbau in den ich gefallen bin. Zurzeit bin ich leider etwas krank (Schweinegrippe oder was auch immer. Eigentlich kein Wunder, soviel wie ich Metro, etc. fahre). Aber jetzt hab ich endlich Antibiotika und den ganzen Kram bekommen. Das war ein Kampf einen Arzt zu finden. Nachdem mich das öffentliche Krankenhaus 2mal abgelehnt hat (ich dachte in der Großstadt wären die vielleicht ein bisschen besser als auf Kreta…falsch gedacht) hab ich mit Hilfe einer Apotheke einen Arzt gefunden. Dieser konnte dann leider nicht ein Wort Englisch. Was hat er also gemacht? Mal schnell seine Tochter angerufen damit ich ihr am Telefon sage was mir fehlt (soviel zum Arztgeheimnis). Ich hatte in der Praxis auch das Gefühl wäre in Sigmund Freuds Büro gelandet (so stell ich mir zumindest Freuds Büro immer vor). Was genau ich jetzt habe weiß ich zwar immer noch nicht, aber die Medikamente helfen.
Ansonsten bin ich seit meinem letzten Blogeintrag schon etwas rumgekommen. Meine Vermieter haben Gizem und mich für einige Tage mit nach Skyros in ihr Ferienhaus genommen und letztes Wochenende habe ich meiner Freundin Niki (meiner Mitbewohnerin von Kreta) einen Besuch in Thessaloniki abgestattet. Auch wenn Thessaloniki die zweitgrößte Stadt Griechenlands nach Athen ist, so fühlt sie sich doch um einiges kleiner an. Seit dem großen Brand in den 70er Jahren (hat leider fast die ganze Stadt zerstört) gibt es auch keine Straßenbahnen mehr sondern nur noch Busse. Und auch sonst hat man trotz der Größe das Gefühl in einer überschaubaren, kleinen Stadt zu sein. Eine ganz andere Atmosphäre als in Athen.
Auch wenn ich lange nichts mehr im Blog veröffentlicht habe heißt das nicht, dass ich nichts geschrieben hab. Ihr bekommt also jetzt das zu sehen was ich in den letzten Wochen so fabriziert habe (vermutlich etwas ungeordnet….):

Hier eine kleine (unsortierte) Zitatensammlung:

Professor (ein sehr nationalistischer muss an dieser Stelle gesagt werden) auf die Frage weshalb er die Türkei in die EU haben möchte: „Um den Feind zu sozialisieren.“

Derselbe Professor fünf Minuten später zum Mazedonien Problem: „Was würden denn die Deutschen sagen wenn Polen plötzlich behauptet sie wären das wahre Deutschland?“ (ganz ehrlich? Mir doch egal…)

Ein griechischer Freund nachdem ich zu ihm meinte dass ich die ganze Mazedoniensache (ich beziehe mich hier auf den Streit um den Namen, nicht um die Sache selbst. Dabei handelt es sich wirklich um eine Problematik) amüsant finde: „Das ist nicht lustig…Stell dir mal vor ein Land kommt plötzlich her und nennt sich Bayern, fändest du das toll?“ (Machen wir uns mal nichts vor, Bayern ist doch eh schon ein Land für sich…)

Eben genannter Professor auf Kreta, nachdem wir so ziemlich den ganzen Balkan durchgekaut haben: „Ich bestehe darauf an dieser Stelle festzuhalten, dass nicht der Balkan unser großer Feind ist, sondern die Türkei.“

Konversation auf Kreta:

Grieche 1: „Mein Nachbar nimmt seine Anzeige gegen mich nicht zurück…“
Grieche 2: „Dann lass ihn doch verprügeln…“
Grieche 1: „Das hab ich doch schon gemacht! Was soll ich noch tun? Ihn erschießen?
Grieche 2: „Wieso nicht…“
 an dieser Stelle eine kleine Anmerkung von mir: Griechen lieben es zu übertreiben…

Ich: „Ich glaube ich krieg nen Schnupfen.“
W: „Trink nen Raki.“

Ich: „Meine Mückenstiche jucken.“
W: „Schmier Raki drauf.“

N: „Ich hab einen riesigen blauen Fleck.“
W: „Schmier Raki drauf.“

W zu K: „Ich will heute nichts trinken. Gestern war genug…“
K: „Ok.“
W: „Ach mach mir einfach einen Raki.“

Mein Vermieter S: „Es gibt nur zwei Sorten Männer. Griechen und der Rest.“

Tschechischer Student zu mir, nachdem ich ihn 5 Minuten kannte (kein Witz…aber dieser Mensch ist mir eh mehr als unsympathisch): „Ich spreche zwar sehr gut Deutsch, hab mich aber schon in der Schule geweigert Deutsch im Unterricht zu reden weil die Nazis damals meine Verwandten getötet haben.“ Was soll man darauf noch sagen? Ich hab mich von griechischer Seite hier noch nie als „Ausländerin“ gefühlt und bin auch noch nie angefeindet worden. Bei einigen osteuropäischen Austauschstudenten musste ich leider schon mehrfach andere Erfahrungen machen…Aber mich sieht man hier eh nicht oft auf den sogenannten „ERASMUS-Parties“. Ich geh eigentlich nur mit griechischen Studenten aus.

Griechischer Student will mir Stolz die deutsche Nationalhymne vorsingen: „Deutschland, Deutschland über alles…“ Nachdem er mein endgeistertes Gesicht gesehen hat und ich ihm erklärt habe, dass diese Strophe nicht gesungen wird: „Da gibt es mehr Strophen als die eine? Wir haben das in der Schule alle so beigebracht bekommen.“  die neue Zielgruppe der Nazis;-)

Griechischer Student: „Kennst du die griechische Nationalhymne?“
Ich: „Nicht wirklich….“
Er: „Dann hör die dir mal bei Youtube an. Liest man sich da die Kommentare der anderen zu der deutschen oder sonstigen Nationalhymnen an dann liest man immer nur „schönes Lied“ oder „schöne Melodie“ oder sonst was. Bei unserer streiten sich Griechen, Mazedonier, Türken und was weiß ich wer sonst noch…“
 ich hab’s nachgeprüft, er hat recht! Aber das ist nicht nur bei der Nationalhymne so, sondern bei vielen griechischen Liedern auf Youtube.

Mein Vermieter S. auf dem Weg nach Skyros: „Ich weiß nie was mich erwartet wenn ich nach Skyros fahre. Steht mein Haus noch? Ist es überschwemmt? Haben wir Strom? Oder haben sich Albaner da eingenistet….“

Ich muss anfangen mir alle lustigen (oder auch nicht lustigen) Zitate aufzuschreiben. Natürlich fällt mich jetzt grad nichts mehr ein…

Was ich in der Uni in Piraeus sehr befremdlich finde ist, dass im Eingangsbereich immer lautstark (aber wirklich laut!) Musik gespielt wird. Mal ist es traditionelle griechische Musik, mal Heavymetal…Oder auch mal eine Live-Band…Außerdem kann in allen Unis geraucht werden, egal wo. Zum Thema rauchen: Ich glaube 90% der Bevölkerung raucht. Irgendwie kann man den Leuten kaum einen Vorwurf machen, nicht nur dass die Zigaretten recht billig sind, ich glaube die Nikotinindustrie hat Verträge mit den Verlagen der Schulbüchern….In jeder meiner Unterrichtsstunden wird mit dem Wort αναπτήρας (Feuerzeug) gearbeitet. Da muss mal das „teure Feuerzeug“ dekliniert werden und dann kauft Giorgos ein rotes Feuerzeug am Kiosk…Aber zurück zur Uni. Immer und überall sind Wahlplakate zu finden. Besonders die linke Partei ist in den Unis sehr stark vertreten! Im Moment wird auch wieder viel auf den Straßen demonstriert. Mal hier, mal da. Wo gegen? Keine Ahnung… Zurzeit regnet es zwischendurch sehr viel. Die Straßen sind für viel regen wirklich nicht gemacht worden. Ich stand schon mehr als einmal plötzlich bis zum Knöchel im Wasser und musste über Sturzbäche springen. Die Uni in Athen hat ihre eigene Lösung für die vielen Löcher in der Decke gefunden: Einfach Eimer drunter stellen. Das verstärkt das Parkhausflair noch. Wahlweise werden auch ganze Blumenkübel benutzt….
Hier übrigens noch eine kleine Ergänzung zu meinen möglichen Todesursachen: Ich werde von Flyern erschlagen…Ich glaube die Werbeindustrie in Griechenland ist für mindestens die Hälfte der Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich. So eine Papierverschwendung…Besonders an den Unis verdienen viele (Studenten, illegale Einwanderer…) ihr Geld damit Flyer zu verteilen (und vor kurzem sogar Ausgaben der Bibel…). Sobald man sich Richtung Eingang der Uni bewegt stürmen mindestens 5 Leute auf einen zu um einen Flyer in die Hand zu drücken. Und auf dem Rückweg dann dasselbe Spiel mit denselben Flyern.
Mir ist noch etwas aufgefallen: Wenn die Griechen etwas machen, dann ist es immer etwas „too much“. Das fängt schon mit meiner Bodylotion an. Die ist so stark parfümiert dass ich Ausschlag kriege. Und die Taschentücher stinken genauso. Ebenso ist das Make-up bei vielen etwas „too much“ und erinnert einen doch stark an Drag-Queens. Ebenso hab ich einen Abfalleimer gesehen der den Ausdruck „too much“ eigentlich noch übertrifft. Näherst du dich dem Eimer (sieht eher aus wie eine von diesen öffentlichen Toiletten in Großstädten) erzählt dir eine Computerstimme dass du den roten Knopf drücken sollst. Danach öffnet sich der Eimer alá Star Wars und die Stimme fordert dich auf den Müll reinzuwerfen…Anschließen schließt sich der Eimer und bedankt sich freundlich…Ich weiß nicht wer dieses Ding finanziert hat. Hab ich bis jetzt auch nur einmal entdeckt. Ebenso wie den „Spielplatz für Erwachsene“. Ein komplettes Open-air Fitness Center mit Blick zum Meer. Jeder macht sich drüber lustig und kann es doch nicht lassen das ein oder andere Gerät zu benutzen…
Noch mal zum Thema „too much“: Ihr dachtet immer die USA wären das Land mit der schlimmsten Weihnachtsbeleuchtung? Ich glaube Griechenland topt das noch…Wenn es dann mal geschmackvolle Lichter sind, dann garantiert zu viel auf einem Haufen. Aber meistens sind es blinkende Lichter in Rot oder auch Pink (!). Interessant sind dagegen Schiffe aus Lichterketten die man hier überall entdeckt. Ich glaube diese Tradition kommt vom heiligen Nikolaus, der ja auch der Schutzpatron der Seefahrer ist. Daher ist auch eigentlich immer die Kirche die am nächsten am Hafen ist die „St. Nikolaus“- Kirche.

Bis zum nächsten mal!

Ps. Am 18.12 komme ich für 2 Wochen nach Deutschland

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 20. Oktober 2009
Ich bin noch da!
So endlich komme ich wieder dazu hier zu schreiben...Tut mir leid, dass es um mich so ruhig geworden ist! Und ich entschuldige mich jetzt schon im Vorfeld für Grammatik- und Schreibfehler, aber meine Gehirn ist im Moment überfordert...Den ganzen Tag nur Englisch reden und dann im Griechischunterricht NUR Griechisch...Das ist natürlich eigentlich sehr gut, aber auch wahnsinnig anstrengend!
Also, es gibt einen wichtigen Grund warum ich jetzt schreibe. Sollte ich dieses Auslandssemester nicht überleben so möchte ich es euch einfach machen die Ursache für mein frühes Abtreten herauszufinden. Hier eine kleine, übersichtliche Liste:

1. Ich werde von einem oder gleichmehreren Autos überfahren.
Der Verkehr hier ist einfach unglaublich! Ich kenne Großstädte, aber das übertrifft wirklich alles! Wobei Piraeus sogar noch gefährlicher ist als Athen. Auf Kreta war es schon eine Herausforderung eine Straße zu überqueren, hier ist es so gut wie unmöglich! Und anders als auf Kreta halten die Autos NICHT wenn man einfach geht. Wird man auf Kreta angefahren so landet der Fahrer zunächst ohne Kommentar für drei Tage im Gefängnis. Und ich habe das Gefängnis gesehen. Ganz ehrlich, jetzt brauch ich keine Zeitmaschine mehr, ich habe das Mittelalter mit eigenen Augen gesehn...Anscheinend sind hier die Gefängnisse schöner oder es gelten echte Gesetze, denn hier hält kein Schwein wenn man über die Straße will! Und jede normale zweispurige Straße wird hier umfunktioniert zu einer mindestens vierspurigen (plus natürlich den ganzen Motorradfahrern die einfach irgendwo fahren). Am Anfang habe ich mich immer dicht hinter Einheimische gestellt und bin dann gegangen, wenn sie auch gegangen sind. Mittlerweile habe ich mich aber dran gewöhnt und schaffe es alleine...Es gibt hier auch sehr viele Ampeln, besonders für Fußgänger! Sind aber total überflüssig. Ich weiß nicht welche Regierung hier überall Ampeln aufgestellt hat um die Bevölkerung zu besänftigen, aber wenn sie dann überhaupt mal funktionieren, dann hält sich eh kein Schwein dran.

2. Ich stürze mit einem Fahrstuhl ab oder stecke fest und verhungere...
In dem Haus in dem ich wohne haben wir einen Fahrstuhl. Der funktioniert nicht immer, aber bisher fühle ich mich in dem noch relativ sicher...Zumindest im Gegensatz zu denen in der Universität! Damit ihr euch ein kleines Bild von der Univerität Piraeus (Panepistimio Piraeus; kurz: Papi) machen könnt: Ich habe selten in meinem Leben etwas so hässliches gesehn. Und ich bin meistens im "neuen" Gebäude! Außerdem sind sie so aufgebaut, dass man sich garantiert verläuft (wäre noch eine andere Todesursache: verschollen in der Uni und nach 20 Jahren aufgefunden...). Nun zu den Fahrstühlen: Einige fahren z.B. in Stockwerk 3 und 5, andere dann mal in 7 und 8, einige nur rauf, einige nur runter. Es ergibt auch überhaupt keinen Sinn, wirklich nicht! Genauso wie die Raumnummern keinen Sinn ergeben. Dann kann es passieren dass die Fahrstühle einfach irgendwo hinfahren, sich gar nicht bewegen, oder nichts machen als ununterbrochen die Tür zu öffnen und zu schließen, nur um dann richtig zu funktionieren wenn man es aufgegeben hat und wieder rausgeht! Nun könntet ihr euch fragen: Wieso nimmt die nicht einfach die Treppe? Ist doch viel gesünder! Ja meine Lieben, hab ich versucht. Nur ergeben die Treppe auch keinen Sinn...Mit den Treppen habe ich mal eine halbe Stunde vergeblich das Erdgeschoss und den Ausgang gesucht!
In der Uni in Athen sieht das ganze nicht anders aus (zumindest in dem Gebäude in dem ich bin). Das tolle ist nämlich, dass ich meinen Griechischsprachkurs nicht an der Papi sondern an der Uni in Athen habe. Drei mal wöchentlich für á drei Stunden. Leider brauche ich alleine 2 Stunden um zur Uni in Athen zu kommen! Und dann natürlich 2 Stunden zurück....Ist immer ein langer Tag...Aber zurück zu den Fahrstühlen: Gleiches unlogisches Prinzip wie in Piraeus. Obwohl mich das Erscheinungsbild hier mehr an ein Parkhaus als an eine Uni erinnert. Und die Fahrstühle sind noch unheimlicher....Ich glaube ich versuche doch mal einen Weg zu Fuß zu finden...

3. Ich laufe Amok und erschieße mich selbst...
Wenn ich mich richtig erinner bin ich jetzt seit 3 oder 4 Wochen in Piraeus. Und seit drei oder vier Wochen versuche ich rauszufinden was in Herr Gottes Namen ich hier machen soll!! Naja mittlerweile weiß ich so ein paar Kurse...auf Englisch ist nur einer, der Rest komplett auf griechisch, aber zumindest kann ich die Prüfungen in Englisch machen. Alle sind wirklich sehr nett, jedesmal wenn ich hier in Auslandsamt gehe werde ich umarmt und abgeknutscht (das ist nicht nur dort so, jeden Menschen den ich hier zum zweiten mal sehe kommt so auf mich zugestürmt...ist aber ganz nett!), wirklich helfen tun die einem aber nicht (um ehrlich zu sein, deren Englisch ist auch so schlecht, ich glaube die verstehn einfach nicht was ich sage).

4. Mein Wohnhaus brennt und ich komme nicht raus weil die Wohnungstür klemmt...
Und genau das ist heute passiert! Naja ok, gebrannt hats zwar nicht, aber hätte es gebrannt wäre ich nicht rausgekommen. Ich habe mich heute extra früh auf den Weg zu meiner ersten richtigen Vorlesung gemacht (die sogar auf englisch ist! Die einzige...und es ist auch noch Statistik! Mal ganz ehrlich, damit hab ich schon auf Deutsch Probleme!) und dann ging die Haustür (also die große vom ganzen Haus) einfach nicht auf! Sie war nicht abgeschlossen, sondern einfach abgesackt, so dass sich da nichts mehr getan hat. Also hol ich meine Mitbewohnerin, denn zwei Köpfe sind ja schlauer als einer. Ich weiß gar nicht was wir alles versucht haben, aber das scheiß Ding hat sich nicht bewegen lassen! Ich mein es ist ja schön und gut das unser Haus voller Kameras und Sicherungstüren ist, aber raus möchte ich trotzdem....Nachdem wir dann angefangen haben gegen die Scheibe zu klopfen um auf uns aufmerksam zu machen hat ein Mann zwar halbherzig versucht uns zu Helfen, es jedoch schnell wieder aufgegeben und ist weggegangen. Nach über zwei Stunden, einigen Gesprächen mit meinen Vermietern, die leider nicht von ihrer Arbeit wegkonnten, kam die Putzfrau und hat nach vielen Telefonanrufen und einer weiteren Stunde es endlich geschafft Hilfe zu holen...Aber man kennt das ja, dass die Griechen Krisenmanagement nicht so gut drauf haben;-)
Als ich dann endlich draußen und schon eine Stunde zu spät für meine Vorlesung dran war kam auch mein Vermieter und hat mich zumindest mit Motorrad zur Uni gefahren. Ich dachte nach den vielen Fahrten auf Kreta hätte ich keine Angst mehr auf griechischen Motorrädern....Naja hier hatte ich zumindest einen Helm...Ich hab auch ja vorhin den Verkehr beschrieben!

So jetzt aber genug zu möglichen Ursachen die mich umbringen können!
Es macht hier trotzdem alles einen riesen Spaß! Man weiß wenn man morgens aufsteht einfach nie was der Tag so bringen wird!
Mir fallen grad noch mehr schöne Geschichten ein und ich werde versuchen euch morgen mehr zu schreiben bevor ich die Hälfte wieder vergessen hab...
Also, viel Spaß beim lesen!

Eure Linda

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 2. Oktober 2009
In Piraeus
Ich bin in Piraeus angekommen!
Wie sehr mir Kreta fehtl schreib ich im moment nicht, sonst wein ich nur...bald folgt noch ein großer Kretanachtrag! Muss jetzt aber erstmal alles ein bischen sacken lassen...
Also, hier sind am Sonntag Wahlen und deshalb streikt auch erstmal meine Uni...angeblich fangen die am 16. Oktober an, man darf gespannt sein...

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 18. September 2009
Leider keine Zeit
So, hier kommt jetzt ein sehr kurzer Eintrag. Am Montag habe ich meine Pruefung und dann ist der Kurs vorbei. Und Jan kommt am Montag und bleibt fuer eine Woche:-) Ich hab also etwas worauf ich mich freuen kann!!
Danach geht es dann fuer mich weiter nach Piraeus. Ich bin schon sehr gespannt wie es da wird, aber eigentlich moechte ich hier gar nicht mehr weg...
Naja, ich habe jetzt keine Zeit mehr, weil ich in den Unterricht muss.
Ich weiss nicht wann ich das naechste mal ins Internet kann, aber ihr werdet von mir hoeren (hab schon wieder so viel zu erzaehlen)

Eure Linda

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 1. September 2009
I'm still alive....
hey!
endlich wieder Internet!
Tut mir leid das ich mich so selten melde, aber ich habe nur in der UNI Internet und muss mich mittags zwischen Essen und Internet entscheiden. Und da mir von dem Essen von gestern hier noch schlecht ist habe ich heute mal Internet gewaehlt;-)
Sobald ich in Piraeus bin werde ich mich regelmaessig melden und auf Emails, etc. reagieren;-)
Also, hier zwei neue Eintraege aufeinmal!
Ps. Ich freue mich sehr ueber die Kommentare!!

24.08.2009

Als allererstes: Ich ziehe morgen endlich um!!!! Keine Ratten und Kakerlaken mehr! Ich ziehe mit einem anderen Mädchen aus Deutschland zusammen und ich glaube, wir werden uns gut verstehen. Ich zahle ungefähr nur noch die Hälfte und wir haben beide unser eigenes Schlafzimmer, dann ein recht großes Bad, Balkon und eine wirklich große Küche/Wohnzimmer. Eigentlich wollte mich Kosta heute nach der Uni vom Gästehaus abholen. Während des Mittagsessens hat er dann aber angerufen, dass wir uns das Appartement sofort angucken müssen, weil der Besitzer nur bis drei Zeit hatte. Also meinte er mich direkt von der Uni abzuholen, weil es mit dem Bus zu lange dauern würde. Tja, ich hab also gewartet und Kosta fuhr mit einem Motorrad vor! Jeder, der jemals mit einem Griechen auf einem Motorrad saß wird mir beipflichten, dass es ein Abenteuer ist (natürlich ohne Helm). Hat aber wirklich Spaß gemacht! Mit so einem Motorrad kann man sich blitzschnell durch jede Lücke winden (egal wie klein oder wie schnell man ist). Soviel also dazu.
Am letzten Wochenende haben wir samstags einen Ausflug mit dem gesamten Sprachkursgruppe gemacht. Zuerst ging es in den Knossospalast, der 1. wenn man ein bisschen mehr über die Umstände der Ausgrabung kennt wirklich nicht sehr beeindruckend ist (bis auf den Thronsaal ist dort nichts authentisch) und 2. schon gar nicht wenn man wie ich ihn zum dritten mal sieht und wenn man 3. ganz andere interessante Orte auf Kreta kennt. Nachdem wir dann wie Schafe einmal um den Palast gescheucht wurden ging es ins Museum in Iraklio. Das ist eigentlich sehr interessant (hier sieht man dann endlich auch Originalstücke aus Knossos und z.B. den Diskus aus Festos), war aber leider im Umbau, sodass wir zum ersten nur einen Bruchteil sehen konnten und zum zweiten nur eine halbe Stunde Zeit hatten, wegen unseres strammen Zeitplans. Dann gings weiter in „Cretaquarium“. Leider etwas klein, aber sonst ganz in Ordnung! Hat mich daran erinnert, wie gern ich wieder richtig tauchen gehen würde…
Am Sonntag hat Wolfgang mich dann auf eine „kleine Rundtour“ mitgenommen. Meine zukünftige Mitbewohnerin durfte mitkommen und hat sich wahnsinnig gefreut solche „Insidertipps“ zu sehen. Ich kann mit Worten gar nicht wiedergeben welche schönen Plätze ich an diesen Tag gesehen habe! Fotos werden irgendwann folgen! Der krönende Abschluss war dann ein Essen in der „Taverna Fantastico“ oberhalb von Μαρουλάς (Marulas) mit der einmaligen Aussicht auf Ρέθυμνο (Rethymno) und Umgebung (Jan und der Rest meiner Familie weiß, wovon ich rede). Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mich doch etwas von dem Rest der Gruppe hier abgrenze. Es ist hier einfach zu sehr wie ein zu Hause für mich! Ich sehe Kreta mit ganz anderen Augen und habe andere Interessen. Ich versuche also ab und an was mit der Gruppe zu unternehmen (ich bin eh nicht der Mensch, der sich gerne in so eine Art von Gruppe integriert) aber ich verbringe doch schon viel Zeit mit Wolfgang und Kostas und komme auch auf diese Weise mehr in Kontakt mit Griechen. So zum Beispiel letzte Woche: Ich war bei Wolfgang und Kosta im Odyssia-Hotel und es war Griechischer Abend. Aber anders als erwartet wurde es zu keiner „Touristenverarsche“ (O-Ton Wolfgang), sondern zu einem wirklichen griechischen Abend, da fast nur Griechen anwesend waren (und ich mitten drin, mit einer riesen Pizza, weil Kosta meinte ich würde vom Fleisch fallen). So gab es einen ganzen Abend lang kretische Musik und kretische Tänze, eine Menge Raki und Pizza. Einen Tag später war ich dann mit Kosta und Wolfgang Essen (damit ich nicht vom Fleisch falle). Samt Kindern. Eigentlich sollte ich am besten die ganze Zeit mit Kindern verbringen, denn so lernt man die Sprache am besten.
So ich werde mich jetzt mal an meine Hausaufgaben setzen und dann meinen Koffer packen.
Achja, noch zu Sara P.`s Frage: Ich sehe Gott sei dank noch nicht aus wie Dornatella (wie schreibt man die gute Frau noch gleich?), da ich nicht wie ein Hähnchen stundenlang in der Sonne grille, sondern mir einen Schirm gekauft habe. Alle anderen braten hier zwar die meiste Zeit, aber ich kenne die kretische Sonne und weiß wie gefährlich sie sein kann.
Ok, das wars für heute und ich hoffe ich komme bald wieder ans Internet und hab mehr Zeit (Annemarie, ich will endlich in Ruhe deinen Blog lesen!!).
An Nicola: Ich wünsche die eine schöne Reise nach Italien und ich hoffe du lebst nicht in einem Loch wie ich bisher (meine Unterkunft ist für viele griechische Studenten übrigens frei).

Also an euch alle: Ihr fehlt mir und ich würde es jedem wünschen so eine tolle Zeit zu verbringen wie ich es im Moment tue! Ich fürchte wirklich, dass ich hier nach den sechs Wochen nicht mehr weg will…
Das Jahr 2009 war bisher ein sehr schönes und aufregendes, aber auch ein anstrengendes und in einem Punkt sehr trauriges Jahr. Hier auf Kreta kommen die ganzen Erinnerungen daran zurück, wie wohl ich mich hier schon mein ganzes Leben fühle und ich finde eine innere Ruhe, die ich so noch nie erlebt habe. Hierher zu kommen war einer der besten Entscheidungen die ich je getroffen habe und ich weiß, dass mich mein Herz mein ganzes Leben lang hierher zurückbringen wird. Ich weiß nicht, ob ich jetzt so philosophisch werde, aber ich denke, dass viele von euch nachvollziehen können was ich meine.

Γεια σας,

Eure Linda

01.09.2009

O.K., obwohl ich jetzt schon ewig nicht mehr im Internet war, hier schon mal die nächste Fortsetzung (ihr bekommt dann halt viel auf einmal zu lesen). Niki (meine Mitbewohnerin) und ich fühlen uns in unserem Appartment sehr wohl. Soviel Platz und Hygiene ist plötzlich ganz ungewohnt!Ich möchte heute nicht soviel über meine Ausflüge berichten, sondern etwas soziologisch werden und meine Gedanken und Eindrücke über Kreta ordnen (und ihr könnt den ganzen Mist dann lesen, also quasi wie ich versuche Ordnung in meinen Kopf zu bringen). Ich habe in den letzen 2,5 Wochen schon so manches gesehen, erlebt und gehört. Ich war zwar bisher noch nie auf dem griechischen Festland, aber ich versuche mich jetzt mal an der Prognose, dass Kreta sich in vielem vom Rest Griechenlands unterscheidet. Vor ein paar Monaten lief auf Arte eine Dokumentation über Kreta, und ich erinnere mich daran, dass ich sie für zu überzogen hielt. In dieser Doku ging es hauptsächlich darum, wie die Familien in Griechenland gestrickt sind, das es normal ist mit einer Waffe rumzulaufen und dass das Wort Ehre und auch Ehrenmord eine hohe Bedeutung trägt. Damals dachte ich mir, dass das doch stark übertrieben wäre. Heute muss ich zugeben, dass es das nicht ist. Sicher läuft hier nicht jeder mit einer Waffe durch die Stadt, aber die durchschossenen Ortsschilder in den Dörfern und Erzählungen von Hochzeiten, Taufen, ect. auf denen „zur Feier des Tages“ mit der Knarre geschossen wird, sprechen für sich. Hierbei handelt es sich nicht um Ausnahmen, es ist gang und gebe eine Waffe zu besitzen (ich habs mit eigenen Augen gesehen). Ich möchte hier und auch im weiteren nicht darauf eingehen, von wem ich was weiß und um welche Person(en) es sich handelt. Nur so viel: Man lernt viele Menschen kennen und bekommt vieles mit. So ist es auch nicht unnormal jemanden verprügeln zu lassen um „Uneinigkeiten“ aus der Welt zu schaffen. Bekommt jetzt bitte keinen falschen Eindruck von den Kretern! Es sind wirklich tolle Menschen, sehr zuvorkommend, neugierig, aber nicht zu aufdringlich. Man sollte nur wissen, wie man sich zu verhalten hat. Mir halt mal jemand gesagt, dass Kreta wie ein Dorf sei. Jeder kriegt alles mit (um ganz ehrlich zu sein, manchmal frag ich mich wie viel Leute mich hier wohl im Auge haben um „auf mich acht zu geben“). Kurz gesagt: Kommst du nach Kreta und benimmst dich wie eine Schlampe, dann wirst du auch so behandelt. Ansonsten hat du als Frau hier wirklich nichts zu fürchten! Ein Beispiel: Versuchst du auf Kreta einen Job zu bekommen und schläfst mit einem verheirateten Mann, dann kannst du sicher sein auf ganz Kreta nie Fuß fassen zu können. Außerdem gestaltet es sich als schwierig wirklich akzeptiert zu werden. Bist du kein gebürtiger Kreta, so bist du ein Ausländer und wirst auch wohl immer als einer behandelt. Ich habe vor ein paar Tagen ein interessantes Gespräch über Zwangsheirat geführt und meinen naiven Glauben darüber verloren, dass dies heute bei uns im Europa des 21. Jahrhunderts nicht mehr vorkommt. An dieser Stelle spreche ich nicht nur über Kreta, sondern auch über andere Staaten der Europäischen Union und ihrer sooft proklamierten Menschenrechte (wäre mal wieder ein interessaneter Ansatz für eine Diskussion darüber, wer in die EU darf und wer nicht und wieso. An Annemarie: ich freu mich schon jetzt auf unsere täglichen Diskussion beim Kaffeetrinken in 5 Monaten). Auch ist es sehr aufällig, welchen hohen Stellenwert Traditionen und Religion hier haben. Ich glaube ich könnte Jahre damit verbringen hier zu bleiben um alleine nur das System „Familie“ hier auf Kreta zu untersuchen. Das lässt mein kleines soziologen Herz höher schlagen! Naja, da mein politologen Herz aber doch größer ist belasse ich es für heute dabei (auch wenn das ordnen der Gedanken nicht wirklich funktioniert hat). Mal sehen ob ich in den verbleibenden Wochen noch einen tieferen Einblick bekomme (soweit dies für einen Außenstehenden überhaupt möglich ist) und wie ich dies später mit meinen Erfahrungen auf dem Festland verknüpfen kann.

Bis bald (und dann weniger Soziologie und mehr Bericht),
Eure Linda

... link (2 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 19. August 2009
Erstes Lebenszeichen
So, jetzt bin ich also schon seit ein paar Tagen auf Kreta und gestern hat der Sprachkurs angefangen. Aber erstmal ganz von vorne…:
Am letzten Freitag bin ich in aller früh in Heraklion gelandet und nach einer Taxifahrt, einer 1,5-Stündigen Busfahrt, noch einer Taxifahrt, einem Zwischenstop um meinen Schlüssel abzuholen, dabei den Taxifahrer daran hindern meinen Koffer rauszuwerfen und abzuhauen, bin ich dann nach weiteren fünf Minuten in meiner Unterkunft angekommen. Da stand mein Taxi also vor einem wirklichen hübschen Hotel und ich konnte, übermüdet wie ich war, nicht glücklicher sein! Doch dann schüttelte der Taxifahrer den Kopf, fing an zu lachen und zeigte auf das Gebäude vor mir. Also drehte ich meinen Kopf….
Im Vorfeld habe ich noch gesagt, mal ganz ehrlich, wie schlimm kann so ein Gästehaus schon sein? Ich war in Griechenland nach jahrelanger Erfahrung doch nun wirklich auf alles vorbereitet.
… Ich schaute also auf eine Baustelle. War ja irgendwie klar, dass in dem Jahr in dem ich nach Kreta komme das Gästehaus von außen saniert wird, oder? Ich war zwar ein bisschen geschockt, wollte aber nur noch aus der Hitze und etwas Schlaf nachholen. Schwer bepackt ging ich dann an einigen grinsenden Bauerbeitern vorbei, die gerade Pause machten. Dann stand ich vor der nächsten Herausforderung: Wie um Himmelswillen komme ich in das Haus rein? (ich war die erste dort und die einzige, also wirklich der einzige Mensch in diesem riesen Gebäude) Ich hatte zwar für die Eingangstür eine Karte bekommen, wusste aber nicht wie ich damit die Tür öffnen soll (ganz einfach nur Karte an einen Sensor halten und die Tür springt auf). Also musste ich die Bauarbeiter fragen, die mich übrigens immer noch anstarrten. Natürlich konnten diese kein Wort Englisch, aber mit meinem bisschen Griechisch hab ich doch dann soviel verstanden, das man in das Gebäude nicht angeblich gar nicht reinkann. Naja irgendwann hats dann doch geklappt und ich konnte in mein Zimmer. Auf den ersten Blick ganz nett. Wie ein typisches Doppelzimmer in einem griechischen Hotel halt. Auf den zweiten Blick wär ich dann aber doch gerne von meinem mit Bauschutt bedeckten Balkon gesprungen. Nachdem ich erstmal das Klo von den Scheißeresten meines Vorgängers befreit und die Haarbüschel (kein Scherz) aus Waschbecken und Dusche entfernt hatte stellte ich fest das mein Wasser leider nur kalt war (in der Dusche lief es dann während des Duschens auch leider gar nicht ab). Ok, ich könnte mit all dem und den beisenden Ameisen in meinem Bett, dem Schimmel im Bad, der kaputten Klimaanlage und den astmatischen Anfällen des Kühlschranks leben, hätten mit hier griechische Freunde nicht gesagt, dass ich für die Hälfte des Geldes eine Wohnung mit eigenem Zimmer haben könnte. Um es kurz zu machen: Ich bin auf Wohnungssuche und werde meine Zimmergenossin wohl gleich mitnehmen.
Aber nicht das jetzt ein falscher Eindruck entsteht: Ich hatte bisher wirklich eine tolle Zeit hier! Besonders schön war es Wolfgang wiederzusehen und noch zwei Tage mit Helena und Torsten verbringen zu können.
Im Laufe des Wochenendes sind dann auch nach und nach die anderen Sprachkursteilnehmer angekommen. Am Anfang war es doch seltsam fast ausschließlich Englisch zu reden, mittlerweile klappt es aber immer besser.
Ja, und gestern war dann der erste Unterrichtstag. Hat mir wirlklich sehr gut gefallen und wir werden in kleinen Gruppen a 10-15 Leute unterrichtet. Jeden Tag 4 Stunden Unterricht hört sich zwar wenig an, ist dann aber doch richtig anstrengend und das Tempo ich sehr hoch. Noch habe ich durch meine zwei Kurse in Deutschland einen wirklichen Vorteil und komme mehr als gut mit. Mal sehn wann ich eingeholt werde…ich denke in spätestens 2-3 Tagen.
Alles in allem geht es mir also sehr gut hier, obwohl noch alles sehr unwirklich ist. Ich habe mich auf Kreta sofort wieder heimisch gefühlt, aber es ist doch ein ganz anderes Leben als Deutschland. Das Meer muss wirklich eine beruhigende Wirkung haben, denn obwohl ich viel zu tun habe bin ich wohl so entspannt wie selten zuvor. Wirklich Heimweh hatte ich noch keins, aber selbstverständlich denkt man zwischendurch an seine Familie und seine Freunde. Und natürlich an Jan, der mir wirklich sehr fehlt. Und obwohl ich weiß, dass ich diesen Lebensabschnitt alleine beschreiten muss und es auch will, wünschte ich mir, dass er hier wäre um mit mir gemeinsam all diese schönen Momente erleben zu können.

So fürs erste fällt mir nichts mehr ein. Ich könnte natürlich noch so viel mehr berichten, aber das hat Zeit oder wird in mündlichen Erzählungen irgendwann zu euch gelangen;-)

... link (5 Kommentare)   ... comment


Donnerstag, 13. August 2009
Der letzte Tag...
So, hiermit eröffne ich also meinen Griechenland-Blog.
Ich hoffe dass er von allen die mich kennen fleißig gelesen wird!
Heute Abend geht es also los. Oder besser gesagt heute Nacht. Um vier Uhr morgens fliege ich von Hannover nach Heraklion auf Kreta. Dort werde ich dann die nächsten sechs Wochen verbringen, bevor es weiter geht nach Piraeus.
Bis gestern habe ich mit Jan noch einige sehr schöne Tage in Hamburg verbracht (an dieser Stelle noch ganz liebe Grüße an Martin und Vivien). Was war Griechenland doch da noch weit weg! Doch je näher ich dann Cloppenburg gekommen bin, umso nervöser wurde ich auch...Gestern Abend hat dann auch zum ersten mal die Panik leichte Kontrolle übernommen. Heute, frisch ausgeschlafen und im "Pack-Stress" überwiegt dann doch die Freude deutlich! Bis auf meinen Eltern und Jan habe ich mich von jedem verabschiedet (nochmal Danke für die schönen Feiern). Die Betonung liegt hier auf "bis auf", denn das schwierigste Aschiednehmen steht mir noch bevor...Aber das gehört genauso dazu wie die Nervosität und die Vorfreude.
Auf Kreta habe ich kein Internet, ich versuche aber diesen Blog trotzdem ab und an fortzusetzen. Ab Ende Sepember kann ich das dann auch regelmäßig machen.
Also, ich freue mich über jeden Kommentar und ihr werdet von mir hören;-)

Ps. Meine Bachblüten-Beruhigungstabletten liegen bereit....ich hasse fliegen...

... link (0 Kommentare)   ... comment